Folgende drei Projekte werden vom Studio West 2007 in der Stoffentwicklungs-phase bzw. bei den Ansuchen unterstützt:
Auszüge aus den Filmkonzepten:
Der Filmanstoss soll auch 2008 fortgesetzt werden. Über neue Einreichtermine werden wir euch rechtzeitig informieren.
UNerHÖRT - oder "schlecht hörn tamer aba guat..." (Arbeitstitel) von Nicole Baïer
Betreuung: Ulrike Ramsauer
Entstehen soll ein Dokumentarfilm in der Länge von ca. 50 - 70 Min. über die
Unsichtbarkeit von Hörbehinderungen und das alltägliche Leben mit dieser
Behinderung innerhalb der "hörenden Welt".
Zu Sprache kommen sollen in diesem Film einerseits die gesellschaftlichen
Kommunikationsverhältnisse und die Schwierigkeiten von Schwerhörenden in ihrem
je individuellen Umgang mit eben dieser "selbstverständlichen" lautsprachlichen
Kommunikation. Andererseits gibt es die, den Hörenden beinahe unbekannte "nichthörende
Welt" als eigenen Kulturkreis mit eigener Sprache, der Gebärdensprache.
Haben Schwerhörende die Wahl zwischen zwei Welten?
Im "ganz normalen" Alltag der hörenden Welt, im Berufsleben wie im Privatleben,
überall und immer wird kommuniziert. Kommunikation setzt aber das Vermögen zu
Hören und zu Sprechen voraus. Das Ohr ist das zentrale menschliche Organ für die
Teilnahme am sozialen Leben.
In einfühlsamen Portraits sollen Hörbeeinträchtigte, an Taubheit grenzende
Schwerhörige, HörgeräteträgerInnen und C.I. TrägerInnen über eine gewisse Zeit in
ihrem Alltag, ihrem Berufsleben und ihrem Umfeld begleitet werden und das
Publikum an positiven Erlebnissen genauso wie an den Schwierigkeiten teilhaben
lassen. Der Film möchte zur Bewusstseinsbildung für das Hören bzw. Schwerhören
beitragen.
"Bloomy Ashtray" (dt.:Existenz) - von Bernhard Riener
Betreuung: Robert Buchschwendter
Dieser Film erzählt von vier jungen Menschen abseits der Gesellschaft, die in einer aufgelassenen Fabrik im Nordosten von London, ihr zu Hause gefunden haben.
Doch schon bald schleicht sich eine Ungewissheit in ihr Leben – die Fabrik soll niedergerissen werden und mit ihr deren neu erschaffene Heimat.
Von der Gewissheit des Zerfalls dieses alten, von außen verwahrlosten Gebäudes und deren Machtlosigkeit dies aufzuhalten, fängt auch der Zusammenhalt innerhalb der so harmonischen Gemeinschaft von Ian, Devi, Lesley und Carla immer mehr an daran zu zerbrechen.
Während Carla den neuen Zustand einfach nur akzeptiert, bereitet sich Lesley zum hoffnungslosen Kampf gegen die Besitzer vor. Devi, die verzweifelt zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer Gegenwart hin und her gerissen wird, gibt ihre Liebe zu Ian und ihr neues zu Hause immer mehr auf. Ian in seiner Hilflosigkeit, eingebettet in mitten all diesen Zuständen, flüchtet sich in eine Welt der Utopie, die sich nach und nach in einen Alptraum verwandelt.
Alles fällt in sich zusammen – übrig bleibt das Nichts und der Beginn einer neuen Ungewissheit.
"Tyrol meets Pozuzo" - von Margit Stolz
Betreuung: Andi Baumgartner und Karin Helml
Bauern mühen sich bei der schweren Heuarbeit auf steilen Hängen ab. Alte Höfe wie vor 100 Jahren. Ein hölzernes Mühlrad am rauschenden Bach. Die Zeit scheint hier still zu stehen. Das sind ersten Eindrücke aus Pozuzo mit denen der Zuschauer zunächst konfrontiert wird.
Der Dokumentarfilm „Tiroler in Peru“ wird narrativen Charakter inne haben.
Ein möglicher Einstieg in den Film könnte, wie zu Beginn beschrieben die Ankunft Lenis in Pozuzo sein, die dem Zuseher erste Eindrücke von der Umgebung und der Lebensweise der Bewohner vermittelt. Erst durch die Interviews mit den vorgestellten Protagonisten versucht der Film tiefer in die Welt der Dorfbewohner vorzudringen und zeichnet ein Bild von Pozuzo, wie es auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist. Im Laufe der Zeit setzt sich ein Puzzle aus immer mehr Details zusammen, die nicht in unser Klischee eines „typischen Tiroler Bergbauerndorfes“ passen. Ein Beispiel sind sprachliche Eigenheiten und Traditionen, die durch die indigene Bevölkerung Einfluss auf das Tiroler Kulturgut genommen und einen eigenen Mikrokosmos der besonderen Art geschaffen haben.
In den Interviews mit den Protagonisten wird auf die Geschichte und das Schicksal der Auswandererfamilien eingegangen und durch historisches Bildmaterial kurz eine Reise in die Vergangenheit unternommen. Die Bilder aus Pozuzo geben Auskunft über das harte Leben, das die Einwohner des kleinen Dorfes auch heute noch führen und nicht aufgeben wollen. Das Kamerateam begleitet die Protagonisten durch ihren Alltag und erfährt von ihnen Allgemeines und Persönliches über Identität und Tradition, Ängste und Beweggründe, das Durchhalten im der paradiesischen Einöde und die Hoffnung auf Neues. Die Interviewsequenzen werden immer wieder von Handlungsabläufen durchzogen, wenn wir die Pozuzianer bei der Feldarbeit, bei Fahrten durch den Regenwald, oder am Sonntag in die Kirche begleiten. Mir ist es vor allem wichtig einen Eindruck vom Zusammenleben in der Dorfgemeinschaft zu vermitteln und werde deshalb auch ein Augenmerk auf Interaktionen der Bewohnern untereinander legen.
Die Verbindung zur Zivilisation, zum fernen Heimatland halten jene Pozuzianer aufrecht, die bereits in Tirol waren und ihre Eindrücke und Erlebnisse von dort schildern. Ein möglicher Höhepunkt wäre ein Zusammentreffen beider Kulturen, am Ende des Films, die so eng miteinander verbunden und sich doch so fremd sind. Die Reise von Johannes nach Tirol und die Konfrontation mit den dortigen Lebensweise runden den Dokumentarfilm ab und schließen den Rahmen der mit Lenis Rückkehr nach Pozuzo vorkonstruiert worden ist. Der junge Pozuzianer hastet durch ein Einkaufszentrum, kämpft sich durch eine Menschenmenge, surft im Internet, telefoniert mit seinem Handy; diese kontrastreichen Bilder könnten als Ausstieg die Eindrücke Johannes´ in der „neuen Welt“, seiner Wahlheimat Tirol untermauern. Zuletzt bleibt dann nur noch eine Frage offen: wird er wieder zurückkehren in den peruanischen Regenwald?
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